Politisch „Links“?

Was ist politisch «Links»?

Das dümmliche „Links – Rechts – Denken“ kann lediglich noch zur Vereinfachung einer politischen Agenda und persönlicher Diffamierung gebraucht werden.

Politische Positionen sind mehrdimensional. Eine Person kann z.B. gleichzeitig: wirtschaftlich links, kulturell konservativ, rechtsstaatlich liberal, migrationspolitisch restriktiv, sozialstaatlich progressiv sein.

Das passt aber nicht sauber in das eindimensionale „Links-Rechts-Schema“.

Leider verwenden viele politische Akteure, und die Medien grundsätzlich, die Begriffe normativ statt analytisch. Dann werden „links“ und „rechts“ nicht mehr zur Beschreibung genutzt, sondern als positive oder negative Etiketten.

Oft wäre es präziser, konkret zu fragen:
Wie steht jemand zu Eigentum und Umverteilung?
Wie steht jemand zu Tradition und kulturellem Wandel?
Wie steht jemand zu individueller Freiheit und staatlicher Autorität?
Wie steht jemand zu Nation, Globalisierung und Migration?
Wie steht jemand zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit?

Diese Fragen liefern meist deutlich mehr Erkenntnis als die blosse Einordnung in „links“ oder „rechts“.

Ein zentrales Problem in politischen Debatten besteht darin, dass „links“ und „rechts“ keine präzisen wissenschaftlichen Kategorien sind, sondern historische Sammelbegriffe mit wechselnder Bedeutung.

Deshalb existieren verschiedene Definitionen:

Definition über Gleichheit und Ungleichheit

  • links: stärkere politische, soziale oder wirtschaftliche Gleichheit
  • rechts: Akzeptanz oder Rechtfertigung bestimmter Ungleichheiten

Definition über Wandel und Bewahrung

  • links: Veränderung bestehender Verhältnisse
  • rechts: Bewahrung bestehender Verhältnisse

Definition über Kollektivismus und Individualismus

  • links: stärkere Betonung kollektiver Verantwortung
  • rechts: stärkere Betonung individueller Verantwortung

Definition über Staat und Markt

  • links: mehr staatliche Eingriffe
  • rechts: mehr Markt

Ohne explizite Leitprinzipien kann Politik beliebig oder widersprüchlich werden. Die Frage ist daher nicht, ob Ideologien ganz aufgegeben werden sollten, sondern wie stark man an ihnen festhält.

Vielleicht wäre eine etwas pragmatischere Haltung nachhaltiger: feste Grundwerte beibehalten, aber offen für Lösungen sein, unabhängig davon, aus welchem politischen Lager sie stammen. Dabei müssen zwingend die demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätze die Grenze bilden.
Ein Vorschlag wird nicht deshalb gut, weil er von der eigenen Seite kommt, und nicht deshalb schlecht, weil er vom politischen Gegner kommt. Entscheidend müssen Begründung, Evidenz, Folgen und Vereinbarkeit mit den Prinzipien einer freiheitlichen demokratischen Ordnung sein.

5. Juni 2026 / mmb


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