(Die hier versammelten Texte orientieren sich an der westlich geprägten Form des Tanka.
Sie verstehen sich nicht als Reproduktionen der japanischen Originaltradition, sondern als Annäherungen an den Geist der Kürze, der Gegenwärtigkeit und der poetischen Reduktion – in deutscher Sprache, mit eigenem kulturellen Hintergrund.)
Tage ergrauen
auch durch ein waches Auge
bei Winternebel
während die weissen Berge
im Sonnenlicht hell leuchten
21. Januar 2026 / mmb
Nach Frost am Morgen
zarte Frühlingsbotschaften
draussen vor demHaus–
helles Vogelgezwitscher
in den noch nackten Bäumen
16. Januar 2026 / mmb
Wolken ziehen vor
dem grauen Himmel ostwärts
langsam wie stetig
und begleiten die Herden
zur nächsten Wasserquelle
09. Januar 2026 / mmb
Graue Wolken drängen
in stille Emmentäler
verbergen Hügel
schneeweisse Himmelssterne
kleiden das Land langsam ein
08. Januar 2026 / mmb
Frosterstarrtes Land
im erwachenden Morgen –
gefroren der Bach
Hör wie das Wasser flüstert
wie leise es sein Atem haucht
07. Januar 2026 / mmb
Still die Winternacht –
das Leben rückt zusammen
im eisigen Licht
Bleibt der kleine Zeh ungeschützt
nützt der dickste Mantel nicht
06. Januar 2026 / mmb
Genügsam das Schaf
inmitten seiner Herde
übers Winterland geht
während einsam der Milan
seine Himmelkreise fliegt
29. Dezember 2025 / mmb
Ein Winternebel
sorgt sich nicht um den Frühling
im grauen Morgen
weil zwei Raben auf dem First
des Nachbarhauses sitzen
28. Dezember 2025 / mmb
Schau wie Sonnenlicht
die fernen Winterberge
strahlend glitzern lässt
wenn noch in dunklen Tälern
einzelne Kerzen leuchten
21. Dezember 2025 / mmb
Vom Küchenfeuer
das warme Licht nach draussen
in die Winternacht
Ein noch so kleiner Lichtblick
trotzt im Dunkeln immerfort
19. Dezember 2025 / mmb
Ein müder Blick hin
zum verlorenen Nebel –
im Geist der Frühling
Die Zeit wandert weiter
auf den Spuren zur Ewigkeit
15.Dezember 2025 / mmb
Vor der kalten Nacht
die letzten Sonnenstrahlen
über Hügeln blicken
zieht ein stiller Wanderer
seinen Wintermantel an
10. Dezember 2025 / mmb
Bei Nebelmondlicht
über den wabernden Boden
zögern dieFüsse
Starkes Schuhwerk im Winter
führen mich sicher zum Frühling
9. Dezember 2025 / mmb
Silbernes Licht hier
im dunkel schlafenden Wald
Dezembermonde
Des Bruders Weg erinnert
ein glitzernder Fluss im Tal
4. Dezember 2025 / mmb
Abschied von meinem Bruder (23.01.54 – 03.11.25)
Zwei Kerzen am Fluss
leuchten den Weg zu seinen
wartenden Hunden
Wie tönerne Gefässe
konnte ich dich nicht schützen
25. November 2025 / mmb
Auf dem Sofa ruh’n
meint auch die Katze eilig
schnurr’n wir gemeinsam
Dämmert’s draussen heut so früh
bleibt der Futternapf noch leer
9. November 2025 / mmb
Allein das Mondlicht
leuchtet im finsteren Wald
laut schreit jeder Tritt
Augen hinter dem Nebel
wachen auf meinem Pfad
8. November 2025 / mmb
Am frühen Morgen
unter den Füssen der Frost
Spuren hinterlässt
Und wenn ich stehen bleibe
gibt es keinen eigenen Weg
6. November 2025 / mmb
Silberne Wolken
schweben vor der Dunkelheit
Licht spiegelt der See
Ruhig wie es draussen scheint
rast das Chaos im Sterben
2/3. November 2025 / mmb
Hinter dem Nebel
vergessen Durst und Hunger
tief im Lebensherbst
Des Bruders leidvolles Leben
nun beim Fährmann vorgestellt
2. November 2025 / mmb
Im Herbst zeigt sich
die kalte Hand des Winters
auch schon unbeugsam
Schneebedeckt fern die Berge
beim Wandern im bunten Wald
29. Oktober 2025 / mmb
Entlaubt bald der Baum
trotzt er still den Herbststürmen
allein entgegen
Nach dem kommenden Winter
erwacht im Herzen Neues
27. Oktober 2025 / mmb
Unter den Bäumen
raschelt fallendes Herbstlaub
und der Fluss flüstert
Im Herbst wenn es stiller wird
redet die Natur mit mir
19. Oktober 2025 / mmb
Taktvoll klopft der Specht
an seinem Winterquartier
im stillen Herbstwald
Mit dröhnenden Motoren
leeren wir den Lebenstraum
15. Oktober 2025 / mmb
Ein Eichhörnchen flink
hoch den Baum hinauf es eilt
über Äste davon
Im Herbst das kluge Wesen
sich genügend Vorrat borgt
13. Oktober 2025 / mmb
Leise fallen sie
zu Boden – auch die Blätter
mit nahendem Frost
In der Stille kannst du hören
grollende Steine im Fluss
13. Oktober 2025 / mmb
Wo sind sie nur hin
die Bäume in der Strasse –
Keine Wurzeln mehr
Wird je erkannt was hier fehlt
dass es ohne dich nichts gibt
5. Oktober 2025 / mmb
Nach dunklen Tagen
sitzt er nachdenklich am Fluss –
den Enten ist‘s egal
Auch in dichten Wolken
gibt es Licht auf meinem Weg
3. August 2025 / mmb
Wie Luftkobolde
fliehen Wolken gemeinsam
mit flinken Schwalben
Gefüllte weiss-graue Bäuche –
bedrohlich nur die einen
29. Juli 2025 / mmb
Befreit vom Nebel
reist leise der Sommerwind
sanft durchs Emmental
Geschichten aus früher Zeit
mit alten Bäumen teilend
22. Juli 2025 / mmb
Tief drängen Wolken
in dunkle Tannenwälder
und stille Täler
Leise weinen die Bäume
im Sommernebelregen
21. Juli 2025 / mmb
Kein Panther ist da
so Gedanken geschmeidig
sich im Kreise drehen
Im Schwarzen Loch gebrochen
die schmale Brücke hinaus
19. Juli 2025 / mmb
Olga und Oskar
kuscheln nun friedlich im Bett –
unsere zwei Katzen
Draussen ich im Dunkellicht
fern mit den Sternen reisend
13. Juli 2025 / mmb
Wenn nicht mehr Wasser
finden Fische Abkühlung
kaum im Emmenfluss
In einem leeren Bachbett
stirbt auch der Angler hungrig
11. Juli 2025 / mmb
Durchnässter Boden
der Grat darüber glänzt im Schnee
nach heissen Tagen
Mit flinken Schwalben fliegen
dunkelgraue Wolken dahin
8. Juli 2025 / mmb
Entfernte Welten
im Innen still gegossen
wortreich zerbrochen
in Schönheit geboren
um Wunder leiden
7. Juli 2025 / mmb
Grashalme flüstern
mit dem warmen Sommerwind
im Chor der Grillen
In den Bergen bimmeln hell
die Glöckchen der flinken Geissen
6. Juli 2025 / mmb
Wabi-sabi lebt
unvollkommene Schönheit
wie ich und alles
Zu Boleros Takt schwebend
in Dissonanz vergehen
6. Juli 2025 / mmb
Graues Wolkenmeer
türmt sich am Horizont auf
Regen täte gut
Hitze lässt Böden flimmern
still die schwüle Luft summen
3. Juli 2025 / mmb
Irgendwann werden
Drachen wieder fliegen
weit über mich hinweg
Heut weilen Schmetterlinge
in meinem Blumengarten
1. Juli 2025 / mmb
Tief im Emmental
verbreitet Dunkelheit – Licht
mit Stille gefüllt
Die Melancholie umgarnt
meine Gedanken schmeichelnd
29. Juni 2025 / mmb
Edle Milane
kreisen über grüne Wiesen
und dunkle Wälder
Fern entschwebt der weisse Storch
ich bleibe hier still zurück
6. Juni 2025 / mmb
Auf der Bank vorm Haus
still der Milan am Himmel
zarter Frühlingshauch
In diesem einen Moment
ist alles wie sein wird
23. März 2025 / mmb
Am Leiden verbrannt
verbleibt nur das Versinken
im Bette liegend
Zum Zuschauen genötigt
ist Bruders Herz zerbrochen
02. März 2025 / mmb
Draussen am Fenster
fliessende Regentropfen
auf dem Weg hinab
Wenn es mich hoch hinaus drängt
muss ich irgendwann zurück
13. Februar 2025 / mmb
Zum Sitzen am Fluss
ist die Zeit zu frostig jetzt
der Frühling in mir
Ein eisiger Wind draussen
drin blühende Lebenslust
7. Februar 2025 / mmb
Ein erwachter Geist
beendet die dunkle Nacht
Morgensonnenlicht
Brauner Schlamm bedroht das Heim
giftig für Mensch und Verstand
29. Januar 2025 / mmb
Am eiskalten Strand
über die silberblaue Ostsee
fern in Gedanken
Weit draussen folgen Möwen
dem kleinen Kutter Stille
13. Januar 2025 / mmb
Gemeinsam zu Tisch
versorgt das leibliche Wohl
anderes hungert
Ein Blickkontakt vermeiden
man weiss sich nichts zu sagen
26. Dezember 2024 / mmb
Stille Nacht am Grab
drei Kerzen leuchten im Schnee
tröstende wärme
Ich folge einer Fährte
zurück bleibt die eigne Spur
25. Dezember 2024 / mmb
Draussen vor Tür
wabert kaltnasser Nebel
über ein stilles Land
Die dicksten Mauern bröckeln
in den Wogen des Wandels
9. Dezember 2024 / mmb
Auf Antwort wartend
blicken sie mich fragend an
zwei grüne Augen
Ein hoffnungsvolles Leuchten
kein schwarzes Loch zu sehen
28. November 2024 / mmb
Etwas zaghaft noch
doch zunehmend mutiger
die Sonnenstrahlen
Einlass in Emmentäler
und dunkle Wälder finden
20. November 2024 / mmb
Wenn feuchter Nebel
sich aus dunklen Wäldern löst
durch Emmentäler
ein kalter Winterwind weht
dann ist es Zeit zu gehen
19. November 2024 / mmb
In Gelassenheit
und Ruhe zu verweilen
kann leichter werden
wenn ein beweglicher Geist
nah und fern erfassen kann
8. November 2024 / mmb
Ich schreibe einfach
so für mich meine Poesie
ohne Gewinnzwang
oft mit Mängeln und Fehlern
doch von und aus mir beseelt
5. November 2024 / mmb
Wie dem auch so sei
ist manchmal nicht dasselbe
was es meint zu sein
Lieblicher Sonnenschein hier
stürmisches Gewitter dort
3. November 2024 / mmb
Nur in der Stille
hörst du die weisen Worte
drum schweige leise
Stetig wahrt der Baum im Wind
und lauscht den vielen Stimmen
2. November 2024 / mmb
Wenn der Tag erwacht
kleidet Wälder und Täler
ein grauer Schleier
Weinender Nebel umgibt
all die leidenden Bäume
15. Oktober 2024 / mmb
Frei die Gedanken
wie der blaue Sommervogel
vom Wind getragen
Mal in dieses Blütenfeld
dann weit weg ins Nirgendwo
26. Juli 2024 / mmb
Frag mich bitte nicht
wo ich dir eine Antwort
immer noch schulde
Ein weiterer Tag verscheucht
die nächtlichen Gedanken
03. Juli 2023 / mmb
In Katzenaugen
die Weiten des Universums
erahnen lassen
Die weise Haustigerin
liegt vor mir mich anschauend
09. Juni 2023 / mmb