Wenn das Glücklichsein für mich als nicht wichtig erachtet wird, ich dir jedoch alles Glück dieser Welt wünsche, kann es sein, dass meine Logik nicht verstanden wird.
Vielmals brandet mir völliges Unverständnis entgegen, wenn ich das allgemein verstandene Glücklichsein nicht erwidern oder keine Bestätigung geben kann. Ich kann verstehen, dass in diesen Momenten das Zusammensein mit mir sehr belastend und anstrengend sein kann, ja vielleicht sogar Anlass zur Flucht gibt. Und es ist nicht meine Absicht, der Spielverderber in einer glücklichen Gesellschaft zu sein. Ich kann und will lediglich nicht mehr das Spiel der anderen mitspielen, das mir fremd geworden ist, oder vielleicht schon immer war. Und trotzdem bin ich Teil dieser Gesellschaft, bin ein Mensch wie jeder andere auch … ein fühlendes Wesen.
Ich kann mich an Momente in meinem Leben erinnern, wo bestimmt ein „Glücksgefühl“ vorhanden war. Heute, wenn ich an solche Ereignisse zurückdenke, steigt Traurigkeit, Melancholie und ein grosses Bedürfnis nach Ruhe und Einsamkeit in mir hoch, ein Verlangen, einfach zu gehen, zu gehen hinter den Horizont, manchmal auch unbändige, brennende Wut – jedoch fehlt mir die Erinnerung eines Glücksgefühls.
Kein Drängen nach Neuem, kein Wunsch nach Erlebnissen … einfach eine Sehnsucht nach Stille, Ruhe, zu mir zu kommen und bei mir zu sein. Das Ringen und Rennen nach persönlichem Glück, die Gier nach persönlichem Mehr, der nie endende Kampf nach dem Ideal, haben zu einem Massaker in meinem Inneren geführt. Dieses Schlachtfeld kann ich als Kämpfenden nur als Verlierer verlassen, auch wenn ich Siege davongetragen habe und erringen würde.
Wozu muss ich glücklich sein, im Sinne dieser dem Glück verhafteten Gesellschaft, oder so tun, als ob, wenn ich dieses Gefühl nicht teilen kann? Macht sich mein Gegenüber Gedanken, dass ich diesem Anspruch nicht genügen kann und mich dieses erneute Wahrnehmen des vermeintlich Falschseins unter Umständen noch tiefer die Welt des Dunkellichtes führen könnte? Es liegt mir fern einzufordern, dass jemand sich in die Grenzenlosigkeit meiner Gefühle und Emotionen begibt oder diese in seiner ganzen Dramatik versteht. Manchmal wünsche oder sehne ich mich danach, dass ich so angenommen und akzeptiert werde, der ich diesem Moment einfach bin, in der Welt, in der ich mich gerade befinde, meine Logik dazu nicht zu relativieren oder zu widerlegen versucht – mich nicht als krank und therapiebedürftig zu betrachten, einfach als einen Menschen mit eigenen Erfahrungen, Gefühlen, Gedanken, Wünschen, Vorstellungen, Meinungen, Welten annimmt.
Ich mache dir keinen Vorwurf, ich kann mich dir auch nicht immer mit umfassender Empathie begegnen – deine Erwartungen erfüllen vielleicht noch weniger.
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